Schlüsselfaktoren für optimalen Humusaufbau

Nach Bodenchemie (Gleichgewichte der einzelnen Nährstoffe) und Bodenphysik (Porenvolumen) sind das:

lebende Pflanzenwurzeln

Die lebenden Pflanzenwurzeln sind der Schlüssel für den Humusaufbau. Erst durch die Wurzelausscheidungen im direkten Umfeld jeder einzelnen Wurzel (Rhizosphäre) kommt die umgewandelte Sonnenenergie in die Erde. Jeder Bodenaufbau beginnt IMMER im Bereich der lebenden Pflanzenwurzeln. Daher ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit die Schaffung von möglichst viel Wurzeloberfläche! Ohne Oberfläche haben wir keine Rhizosphäre und somit keine aktive Bodenbiologie.

Beispiel: eine Roggenpflanze erreicht eine Wurzellänge von bis zu 80 m und eine Wurzeloberfläche von 400 m² (Zahlen ohne Haarwurzeln). 

Länge und Oberfläche mit Haarwurzeln siehe folgenden Link
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d05/05b.htm

Unabdingbar ist es, dafür zu sorgen, dass wir insbesondere die Sommermonate mit der hohen Photosysntheseleistung nutzen, indem wir dem Boden möglichst lückenlos lebende Pflanzen zur Verfügung stellen. Hier bieten sich neben den Zwischenfrüchten auch verschiedene Untersaatsysteme an. Dies funktioniert sowohl in Getreide als auch bei Mais und teilweise Soja.

Pflanzengemeinschaften

Wurzeloberflächen alleine reichen aber nicht aus, wenn wir nur die Wurzeln einer Pflanzenart haben. Jede Pflanzenart hat eine spezielle Zusammensetzung der Wurzelausscheidungen. Dadurch steuern sie die Zusammensetzung der sie umgebenden Bodenbiologie. Mit dieser Biologie steht die Pflanze in dauerndem Austausch.

Es ist eine Symbiose. Die Pflanze gibt Wurzelausscheidungen ab → die entsprechende Biologie bildet sich → die Biologie erzeugt Stoffwechselprodukte und schließt Mineralstoffe auf → Stoffwechselprodukte und Mineralstoffe stehen der Pflanze als Nährstoffe zur Verfügung → diese Nährstoffe werden bei Bedarf von der Pflanze aktivmobilisiert (z.B. wenn die Sonne scheint → Energie zur Verfügung steht).

Nun wird klar, weshalb wir Pflanzengemeinschaften brauchen. Jede Pflanze unterstützt einen bestimmten Bereich der Bodenbiologie. Erst im Verbund verschiedener Pflanzenarten kann das ganze Spektrum der Bodenbiologie kultiviert und zur vollen Leistungsfähigkeit entwickelt werden. Erst dann kann das Bodennahrungsnetz in vollem Umfang aktiv werden. Dies setzt voraus, dass man die Kenntnisse hat, welche Pflanzenkombinationen besonders effektiv sind und optimale Vorfruchtwirkungen für Folgekulturen aufweisen. Dies ist einer unserer Arbeitsschwerpunkte.

Ein weiterer Aspekt sind die unterschiedlichen Durchwurzelungsräume. Kombinationen aus Flach- und Tiefwurzlern sind perfekt.

mikrobielle Prozesssteuerung

Es wäre vermessen, zu denken, dass wir jeden Teilbereich der Bodenbiologie mit chirurgischer Präzision in jede beliebige Richtung beeinflussen können.

Ein biologisch aktiver Boden ist ein hochkomplexes, selbstregulierendes System. Das Wort System  (von griechisch σύστημα, altgriechische Aussprache sýstēma, „das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene“) zeigt auf, dass immer Interaktionen stattfinden. Wir können nicht einzelne Faktoren beeinflussen, ohne dass es Auswirkungen auf die anderen Teilbereiche hat.

Aber, und das ist das geniale, dieses System ist selbstregulierend. Somit haben wir indirekt doch erhebliche Einflussmöglichkeiten. Neben der Etablierung der entsprechenden Pflanzengemeinschaften und die daraus resultierenden Wurzelausscheidungn haben wir das Werkzeug der mikrobiellen Prozessteuerung.

Durch die Anwendung verschiedener, meist flüssiger, mikrobiell aktiver Mischungen mit unterschiedlichen Wirkungsbereichen können wir die Aktivität der Bodenbiologie erheblich beschleunigen und bodenaufbauende Prozesse unterstützen.

Zu diesen Werkzeugen gehören vor allem die biologisch-dynamischen Präparate, Milchsäurebakterienkulturen (EM, Biosa, FKE, Brottrunk, Sauerkrautsaft etc.), Komposttees und Kompostextrakte, selbst hergestellte Emulsionen (z.B. mit der „Humusmühle“ nach Erhard Henning → /3 Kompost, 1/3 Lehm, 1/3 Bachsteine, idealerweise etwas Pflanzenkohle, gutes Wasser) und Heuteeauszüge. 

Das Wirkprinzip ist immer das gleiche. Durch die Anwendung wird dem Boden und den Pflanzen (Schnittpunkt Pflanzenwurzeln) ein mikrobieller und enzymatischer Impuls gegeben, der die Etablierung und Aktivierung verschiedener mikrobieller Prozesse bis hin zur Humusbildung durch die Bildung von Glomalin erst ermöglicht. Prozesse, die wir mit chemischen Hilfsmitteln nicht erreichen können.

Bodenbearbeitung

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der Bodenbearbeitung. Je mehr Zugkraft den Landwirten zur Verfügung stand, desto größer wurden die Maschinen und desto schneller und tiefer wurde gearbeitet.

Gemacht wird, was technisch machbar ist. Ob das sinnvoll ist, das ist eine andere Frage.

Wenn wir den Boden nachhaltig bewirtschaften und Humusaufbau betreiben wollen, müssen wir lernen, auch die Bodenbearbeitung aus der Sicht des Bodens zu betrachten.

Hier gibt es mehrere Aspekte zu berücksichtigen:

Arbeitstiefe

je tiefer man einen Boden bearbeitet, desto wichtiger ist das genaue Wissen darüber, wie die wirklichen Bedingungen in der realisierten Bearbeitungstiefe sind. Wenn die Oberfläche trocken aussieht, aber ein schwerer Boden in der Tiefe noch nass ist (so dass man mit der Hand einen Klumpen formen kann), sollte man von einer Bearbeitung absehen.

Teilweise tiefere Arbeiten sollten immer zu einem Zeitpunkt gemacht werden, zu dem es möglich ist, die mechanische Arbeit durch biologische Aktiviät (lebende Pflanzenwurzeln) zu stabilisieren. Eine Tieflockerung im trockenen August ohne direkt danach folgende Zwischenfrucht oder im Oktober, wenn kein massives Wurzelwachstum mehr zu erwarten ist, bringt keinen Nutzen im Sinne des Bodenaufbaus.

Boden wenden

jede Bodenschicht hat ihren eigenen Lebensraum mit einer sehr genau definierten Umwelt. Porenvolumen, Temperatur, Temperaturschwankungen, Zusammensetzung der Bodenluft, Wassersättigung etc. Die Bodenbiologie stellt sich darauf ein, die Pflanzenwurzeln besiedeln aktiv. Jede Bodenschicht hat eine Mächtigkeit von ca. 7 cm. Ziel einer Bodenbearbeitung muss es sein, diese Verhältnisse so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Das geht nur, wenn man die Schichten möglichst da belässt, wo sie sich etabliert haben.

Ein tiefes wenden („mitteltiefe Pflugfurche“) bringt zwar einen kurzfristig sauberen Acker, aber es zwingt die Bodenbiologie auch, sich wieder neu organisieren zu müssen. In dieser Zeit kann kein Bodenaufbau geschehen, da wir, aus der Sicht des Bodens gesehen, den „RESET“ Knopf drücken, d.h. alles wieder auf Null stellen.

Wenn wenden notwendig ist, sollte man innerhalb der oberen Bodenschichten verbleiben. Erschließen des Unterbodens erfolgt durch eine partielle oder evtl. ganzflächige Tiefenlockerung in Kombination mit lebenden Pflanzenwurzeln.

Zeitpunkt

kalte/nasse Böden haben keine Möglichkeit, den mechanischen Eingriff in einem überschaubaren Zeitraum biologisch wieder zu stabilisieren, da bei Temperaturen unter +6°C die Bodenbiologie weitgehend zum erliegen kommt. Bearbeitung bei sehr warmen/nassen Bedingungen sind noch schwieriger, denn dann sind Verdichtungen mit sofortigen Konsequenzen für die Bodenbiologie vorprogrammiert. In den Verdichtungszonen haben wir Sauerstoffmangel und daraus resultierende Fäulnisprozesse, sofern organisches Material und Bodenleben vorhanden ist.

Was hier durch Fäulnis verloren geht, ist das, was wir vorher mühsam aufgebaut haben!!

Geschwindigkeit

je schneller man fährt (oder sich sich rotierende Werkzeuge bewegen), desto weniger kann der Boden in geordneten Verhältnissen entlang natürlicher Bruchzonen aufbrechen.

Nachläufer

bei einer Bodenbearbeitung, die auf den Pflug aufbaut, brauchen wir eine Rückverfestigung, damit ein guter Bodenschluss gewährleistet ist. Daraus resultieren sehr schwere Nachläufer bei vielen Maschinen.

Arbeiten wir jedoch flach und mit Einmischung größerer Mengen organischer Massen, dann ist eine starke Rückverfestigung absolut kontraproduktiv. Wir erzeugen oberflächen- und oberflächennahe Verdichtungen und somit einen reduzierten bis ganz unterbundenen Gasaustausch mit den oberen Bodenschichten. Das hat wiederum lokale Fäulnisprozesse zur Folge

Wie sieht die optimale Bodenbearbeitung aus?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Wichtig ist, zu wissen, welche Anforderungen die entsprechende Technik erfüllen muss:

- präzise arbeiten
- flach arbeiten
- bei Bedarf ganzflächig arbeiten
- teilweise oder ganzfläche Tiefenlockerung, wenn erforderlich
- nur flach (max. 12-15cm tief) wenden (falls notwendig)
- oberflächiges mischen von Erde und organischer Masse (Flächenkompostierungseffekt)
- keine flächige, massive Rückverfestigung der Oberfläche

Bitte bedenken Sie:

Auch mit vielen vorhandenen Geräten kann man in dieser Weise arbeiten, wenn man die Maschinen entsprechend einstellt, evtl. umrüstet oder mit entsprechenden Komponenten erweitert.

Bei Neuinvestitionen sollten Sie unbedingt die oben genannten Kriterien berücksichtigen.

Wir hatten keine entsprechende Technik, der Pflug kam für uns nicht mehr in Frage. Aus diesem Grund haben wir das WEcoDyn-System entwickelt >>> http://www.eco-dyn.de/neu/index.php/wecodyn-system/wecodyn-3d-system.